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Naturerfahrungsräume und Streuobstwiesenschutz am Rhein

Die Rheinwiesenfarm in Monheim erhält eine Auszeichnung für ihren vorbildlichen Streuobstbestand.

Auf dem Gelände der Farm finden sich neben Schafen und Hühnern vor allem regionale Obstsorten aus dem Rheinland wie den “Förster Sauer“. Dieser Apfelbaum ist eine echte lokale Besonderheit - leider auch eine Rarität. Aktuell kommt er nur noch an zwei Standorten vor: am Haus Bürgel und der Rheinwiesen Farm. Benannt wurde er übrigens nach seinem Züchter, einem Förster Sauer und nicht wie sich vielleicht vermuten lässt, nach seinem Geschmack.

Neben den Streuobstbäumen der Farm, bieten auch Nisthilfen und Totholzhaufen wertvolle Lebensräume für Wildbienen, Insekten und Vögel. Mit einer selbstgebauten Bewässerungsanlage sind die teilweise noch jungen Bäume vor dem Austrocknen in heißen Sommern geschützt. Sogar Strom kann die Rheinwiesenfarm mit einer kleinen konstruierten Solaranlage produzieren, sodass das Projekt ganz autak und klimafreundlich agieren kann.

Die vielfältige Streuobstwiese der Farm wird von den Projektverantwortlichen und Ehrenamtler*innen der Rheinwiesen-Farm gepflegt und erhalten. Zum Schutz der Artenvielfalt und als außerschulischer Lernort bietet die Farm auf dem großen Gelände spannende Aktionen für Kinder und Jugendliche. Hier lernen sie Pflanzen und Tiere kennen und verbringen ihre Freizeit in der Natur.


Vorbildliche Streuobstbestände in Merode

Um den Hof der Familie Schmitz-Schunken in Merode standen in den 1940er Jahre noch bis zu 160 Obstbäume. Aufgrund von Bebauung und Viehwirtschaft nahm der Bestand immer mehr ab. Bis 2014 die Brüder Philipp und Christoph Schmitz-Schunken beschlossen die Streuobstwiese wieder neuanzulegen und so auch eine Kulturtradition zu erhalten.

Heute stehen auf den 3000m² gut gepflegte Obstbäume. Sortenschilder an jedem Baum verraten die Vielfalt der Sorten. Neben einem großen Insektenhotel, einem Schwalbenhof, Eulennistkästen und Totholzhaufen, gibt es auch eine kleine Baumschule. Über 350 Bäume hat Philipp Schmitz-Schunken bereits veredelt, darunter eine ganz alte, deutsche Sorte: den Edelborsdorfer.

Für ihr Engagement zum Streuobstwiesenschutz hat die Familie Schmitz-Schunken die Auszeichnung für einen vorbildlichen Streuobstbestand erhalten. Bei der Veranstaltung in Merode waren unter anderem der NABU Düren, die Kreisbauernschaft Düren und die Biologische Station Düren vertreten. Mit Apfelkuchen und selbst gemachten Kirschlikör wurde anschließend die Auszeichnung gefeiert.


Auszeichnung der Dorfgemeinschaft Stottmert

Zum Projektstart wurde die Dorfgemeinschaft Stottmert bei Herscheid für ihren engagierten Einsatz zum Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen rund um ihr Dorf ausgezeichnet.

„Die Gemeinschaftsarbeit des Dorfes Stottmert ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungenen Obstwiesenschutz, welches hoffentlich viele Nachahmer findet. Insbesondere die Einbindung der jüngeren Generation sichert einen langfristigen Fortbestand der Streuobstwiesen und die Weitergabe von kulturellem Wissen“, so Christian Chwallek, stellv. Vorsitzender des NABU NRW, bei der Überreichung der Plakette. Stolz haben die Kinder des Dorfes die Plakette und Urkunde angenommen. Nach einer Führung über die verschiedenen Streuobstwiesen und artenreichen Obstgärten des Dorfes, wurde mit selbstgemachten Pflaumenkuchen und Apfelsaft von den eigenen Wiesen die Auszeichnung gefeiert.

Mehrere Streuobstwiesen auf ca. 2,5 ha Fläche umgeben das Dorf Stottmert. Die Mischbestände werden generationsübergreifend von der gesamten Nachbarschaft vorbildlich gepflegt und weiterentwickelt. Einige der Obstbäume sind schon über 100 Jahre alt und werden gewissenhaft von der Gemeinschaft erhalten. Zusätzlich haben die Bewohner in den letzten Jahren viele Jungbäume gepflanzt. Insbesondere die Kinder aus der Nachbarschaft unterstützen den Streuobstpädagogen Michael Deitenbach tatkräftig bei der Pflege. Zusammen betreuen sie auf den Wiesen mehrere Bienenvölker, helfen bei den Nachpflanzungen und beim Baumschnitt.


Projektstart Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW

Zum wirksamen Schutz von Streuobstwiesen ist das gleichnamige Folgeprojekt Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW im August 2021 für weitere drei Jahre gestartet.

Mit dem Projekt werden im Streuobstbau und Streuobstwiesenschutz Engagierte vernetzt, Streuobstbestände ausgeweitet und der Pflegezustand hochstämmiger Obstbäume verbessert. Der intensive Ausbau eines Netzwerkes zu Streuobstwiesenschutz und der fachliche Austausch bei Netzwerktreffen und Fachtagungen sind Bestandteile des Projekts.

Zudem werden vorbildliche Obstbaumbestände als solche ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist ein Ausdruck für die Wertschätzung, die die Bewirtschafter für ihre hervorragende ausgeführte Arbeit verdienen. Die ausgezeichneten Bestände sollen als gutes Beispiel für einen gepflegten Streuobstbestand zur Nachahmung anregen. Zudem findet sich auf dieser Webseite ein landesweiter Terminkalender mit Hinweisen auf Schnitt- und Veredlungskurse, Seminare oder Obstwiesenfeste sowie Fachinformationen.

Als ein besonders wichtiger Baustein des Projekts wird eine fachlich qualifizierte Obstbaumwartausbildung konzipiert und umgesetzt, um dem Pflegenotstand von Streuobstwiesen entgegen zu wirken. Die staatlich anerkannte Obstbaumwartausbildung wird in Kooperation mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) und der Landwirtschaftskammer NRW (LWK) durchgeführt. Zu den Schulungsinhalten gehören unter anderem der fachgerechte Obstbaumschnitt, die Streuobstwiesenpflege und betriebswirtschaftliche Aspekte des Streuobstbaus.

Das Projekt wird in Kooperation mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV), dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) NRW, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) NRW und dem Naturschutzbund (NABU) NRW umgesetzt. Wir bedanken uns bei dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen für die Förderung des Projekts Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW.


Das Projekt Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW – ein Rückblick (2017-2021)

Nach mehr als drei Jahren Laufzeit läuft das Projekt „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“ Ende März 2021 aus. In diesem Projekt haben sich als Kooperationspartner der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV), der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV), die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU), die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald NRW (SDW) und der Naturschutzbund NRW (NABU) zusammengeschlossen, um den Erhalt bzw. die Neuanlage sowie die Pflege von Streuobstwiesen voranzubringen. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Während der Projektlaufzeit ist in Sachen Streuobstwiesenschutz einiges erreicht und Vieles angestoßen und vorangebracht worden.

Dabei ist vor allem der Aufbau des Netzwerks von großer Bedeutung: hier treffen Fachkundige auf interessierte Laien – vertreten sind dabei Privatpersonen, Vereine und Initiativen, Verbände und Behörden. Sie kommen aus verschiedenen Bereichen und Berufsfeldern, aber alle eint das Interesse an Streuobstwiesen und das Bestreben, diese zu erhalten.

Im Umfang von etwa einer Vollzeitstelle haben sich die Projektmitarbeiterinnen für den Schutz der Streuobstwiesen eingesetzt und in den einzelnen Projektbausteinen Folgendes umgesetzt:

Auszeichnung von vorbildlichen Streuobstbeständen

Mit der Auszeichnung von vorbildlichen Streuobstbeständen wird zum einen das Engagement der Streuobstwiesenbewirtschafter*innen gewürdigt, die oft keine Kosten und Mühen scheuen, ihren Streuobstbestand zu erhalten und/oder zu erweitern. Sie sind damit auch Vorbild und regen zum Nachahmen an. Zum anderen rückt durch die Verleihung von Urkunde und Plakette, oft begleitet von der Presse, das Thema „Streuobst“ wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das ist für die Erhaltung von Streuobstwiesen bedeutend: Denn wer um die Wichtigkeit von Streuobstbeständen weiß, wird ihnen leichter Wertschätzung entgegenbringen können und ist im besten Falle motiviert, sich für ihre Erhaltung einzusetzen. Im gesamten Projektzeitraum wurden in Nordrhein-Westfalen rund 30 vorbildliche Streuobstbestände ausgezeichnet, die hier vorgestellt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Ein weiterer wichtiger Projektbaustein ist die Öffentlichkeitsarbeit, um auf die Arbeit des Netzwerks aufmerksam zu machen und das Thema Streuobstwiesen verstärkt in den Fokus zu rücken. So wurde in den verschiedenen Medien, von Tagespresse und Zeitschriften über das Internet bis hin zum Fernsehen, darüber berichtet. Die Auszeichnung vorbildlicher Streuobstbestände und die Berichterstattung in den Medien ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des Netzwerks. Darüber hinaus wurde ein Flyer erstellt, der den Lebensraum Streuobstwiese vorstellt und sich vor allem an interessierte Laien richtet. Er bietet sich zum Beispiel sehr gut an, auf Streuobstfesten verteilt oder in Naturschutzstationen etc. ausgelegt zu werden. Er kann kostenfrei über das Netzwerk bestellt werden oder hier als PDF heruntergeladen werden.

Anlaufstelle für Austausch und Vernetzung

Wie lege ich eine Streuobstwiese an? Welche Förderprogramme gibt es? Und wo finde ich jemanden in meiner Nähe, der fachgerecht Obstbäume schneiden kann? Viele Fragen rund um Streuobst haben uns erreicht, die wir gerne beantwortet und bei Bedarf auch auf Fachleute verwiesen haben: der Austausch und die Arbeit als Netzwerk sind auch in diesem Punkt nur von Vorteil. Gerade für „Streuobst-Anfänger“ sind die Tipps aus der Praxis und das Fachwissen von erfahrenen Akteur*innen aus dem Netzwerk sehr viel Wert. Aber auch für Streuobstinitiativen und Gruppen, die sich in diesem Bereich engagieren, war die Netzwerkstelle da. Vor allem war dies für solche wichtig, die nicht auf lokale oder regionale Streuobst-Netzwerke zurückgreifen können, die es in manchen Regionen Nordrhein-Westfalens bereits gibt. Der Austausch untereinander ist für alle Streuobst-Interessierte bereichernd. Während der Projektlaufzeit fanden daher zwei große Fachtagungen und mehrere Austauschtreffen statt. Die letzten Veranstaltungen wurden wegen der Corona-Pandemie als Online-Seminare durchgeführt. Themen waren unter anderem die Herstellung und Vermarktung von Streuobstprodukten, die Nutzung des Grünlandes unter den Bäumen und Fördermöglichkeiten.

Finanzielle Förderung von hochstämmigen Obstbäumen

Im gesamten Projektzeitraum konnten zwei Mal Fördermittel der Deutschen Postcode Lotterie über das „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“ vergeben werden. Diese Mittel dienten zur Förderung von hochstämmigen Obstbäumen in Nordrhein-Westfalen und eigneten sich in erster Linie für Nachpflanzungen. Mit 100 € je gefördertem Hochstamm konnten die Anschaffung und Pflege der Obstbäume in den ersten Jahren ganz unbürokratisch finanziell unterstützt werden.

Broschüre „Streuobstwiesen in Nordrhein-Westfalen“ – Mitarbeit bei der Aktualisierung

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW hatte vor mehr als einem Jahrzehnt die Broschüre „Streuobstwiesen in Nordrhein-Westfalen” herausgebracht, die auf großen Zuspruch stieß und schon seit längerer Zeit vergriffen war. Eine aktualisierte Neuauflage steht in Kürze an und das Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW hat das Ministerium bei der Überarbeitung des Textes unterstützt.

Fazit: Durch das Projekt „Netzwerk Streuobstwiesenschutz. NRW“ wurde ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen geleistet. Doch trotz aller Bemühungen sind Streuobstbestände nach wie vor gefährdet. Oft ist mangelnde Pflege ein Grund dafür: Als Kulturpflanzen sind Obstbäume auf regelmäßige Schnittmaßnahmen angewiesen, damit sie eine stabile Krone aufbauen, gutes Obst liefern und ein hohes Lebensalter erreichen können. Denn nur gepflegte Streuobstbestände können den ökologisch wertvollen Lebensraum bieten.

Ein anderer Hauptgrund für den Rückgang von Streuobstbeständen sind Bauvorhaben, für die sie weichen müssen. Es gibt also nach wie vor viel zu tun, um das wertvolle Kulturgut „Streuobstwiese“ zu erhalten.

Daher beabsichtigen die Kooperationspartner, mit einem Folgeprojekt an das erfolgreiche Projekt „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“ anzuknüpfen. Neben der Fortführung bewährter Projektbausteine ist zusätzlich u. a. die langfristige Etablierung einer qualifizierten Obstbaumwartausbildung angedacht.


Aktuelle Infos

Wissenswertes und Austausch rund ums Streuobst

Online-Seminare des Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW

Streuobstwiesen prägen die Landschaft, sind wertvolles Kulturgut und einzigartiges Ökosystem. Von ihrer Anlage über die Pflege bis hin zur Vermarktung der Produkte gilt es viele Aspekte zu berücksichtigen, kommt so manche Frage auf und sind manchmal (neue) Ideen gefragt.


Das Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW beim NABU NRW bietet daher rund um das Thema Streuobst drei Online-Seminare an. Die Referenten berichten aus der Praxis, an allen Terminen wird es außerdem viel Zeit für Fragen und Austausch geben.


Erster Termin, 09.02.2021: Streuobstwiesen-Chance
Wie kann die Pflege von Streuobstwiesen und die Vermarktung ihrer Produkte in Zeiten von Fridays for Future und der Diskussion um Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung aussehen? Das Unternehmen „Streuobst.Land“ stellt sich vor.

Zweiter Termin, 16.02.2021: Kurze Vorträge und Austausch
Vorträge zur Vermarktung über die Marktschwärmer, den Bauernmarkt 2.0, Qualitätsstandards in der Obstbaumpflege sowie ein Rückblick und Ausblick zum Projekt „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“. Außerdem: Austausch zum Thema Trockenheit.


Dritter Termin, 02.03.2021: Förderung von Streuobstwiesen
Ohne finanzielle Mittel läuft auch der Streuobstwiesenschutz nicht. Es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten. Hier den Überblick zu behalten, ist oft nicht einfach. Es werden wichtige Fördermöglichkeiten für NRW vorgestellt.

Die Einladung und eine nähere Beschreibung des Programms finden Sie hier.

 


Neuer Flyer weckt Neugier auf Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind ausgesprochen vielfältig: Sie sind Kulturgut, Lieferant leckeren Obstes, Ort beeindruckender Artenvielfalt, Bereicherung für das Landschaftsbild, sie sind gleichzeitig Treffpunkt für Jung und Alt oder grünes Klassenzimmer.

Der neu aufgelegte Flyer zeigt diese Vielfalt und stellt das Projekt „Netzwerk Streuobstwiesenschtz.NRW“ kurz vor.
Streuobstwiesen sind „Schön, wertvoll und wichtig“!

Der Flyer steht hier als Download (PDF) zur Verfügung und kann auch in gedruckter Form angefordert werden. Wir stellen ihn auch gern für die Öffentlichkeitsarbeit von regionalen Gruppen und Initiativen zum Beispiel zur Verteilung bei Obstwiesenfesten zur Verfügung.


Vermarktung von Streuobstprodukten stand im Mittelpunkt der landesweiten 2. Fachtagung „Rund um Streuobst“

Etwa 75 Engagierte trafen sich am 11. Januar 2020 im Bildungsforum "Schule, Natur und Umwelt" im Rombergpark Dortmund um sich fortzubilden und auszutauschen.

„Will man die Streuobstwiesen in einem größeren Umfang erhalten, als es allein über Leidenschaft und Ehrenamt möglich ist, kommt die Wirtschaftlichkeit ins Spiel“, so Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU NRW. „Die Erzielung von Einnahmen gibt Anreiz, hochstämmige Obstbäume zu beernten und als Voraussetzung dafür diese auch zu pflegen. So verbindet sich die nachhaltige Produktion von gesunden Lebensmitteln mit der Erhaltung eines ökologisch sehr wertvollen Kulturlebensraums“.

Mehrere Vorträge zeigten beispielhaft Möglichkeiten auf, Streuobst erfolgreich zu vermarkten. Karin Rietman, Projektkoordinatorin Obstwiesenschutz des NABU Münster, stellte die Tafelobstvermarktung auf dem Wochenmarkt in Münster vor. Der vielfältige Geschmack, die Regionalität und die Form der Produktion auf Streuobstwiesen stellen dabei für ihre Kunden ebenso eine Kaufmotivation dar wie Kindheitserinnerungen und gesundheitliche Aspekte. Klaus Schulte von der Sauerland Obst GbR war einer der ersten in einer weiteren Region, der sich gemeinsam mit einem Mitstreiter vor 15 Jahren eine mobile Saftpresse angeschafft hat und stellt nun im Lohn Saft für Obstwiesenbesitzer, aber auch für Initiativen zum Weiterverkauf her. Obstbrände sind eine weitere, weniger verbreitete Alternative, Streuobst zu verarbeiten, mit der man noch weitere Kundenkreise erschließen kann. Klaus Wurm, Märkische Spezialitätenbrauerei, stellte die Herstellung von Streuobst-Bränden im Lohn vor.

„Streuobstwiesen und -weiden sind oft rund um die Bauernhöfe entstanden, Landwirtschaft und Streuobst gehören zusammen“, betonte Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Ruhr-Lippe. „Leider sind heute viele Bestände überaltert, hier sind Nachpflanzungen und eine fachgerechte Pflege dringend erforderlich.“

Um die Frage, wie man Angebote und Gesuche rund um Streuobst zusammenbringt, drehte sich ein weiterer Vortrag. Eine Streuobstwiesen-Börse als Internetportal bietet hierzu auf regionaler Ebene die Möglichkeit. Bisher v.a. in Süddeutschland verbreitet, mag die Tagung den Anstoß gegeben haben, auch für verschiedene Regionen in NRW über eine Streuobstwiesen-Börse nachzudenken. Erste Erfahrungen dazu gibt es vom Niederrhein. Als Tagungsabschluss stellte Alexander Vorbeck, Schlaraffenburger Streuobstagentur, mit den Streuobstaktionsplänen eine methodische Herangehensweise zum Schutz der Streuobstwiesen vor, wie sie im Raum Aschaffenburg umgesetzt wurde. Auf eine Bestandserfassung unter praktischen Gesichtspunkten folgen gezielte Maßnahmen, wozu Pflege und Nachpflanzungen aber auch die Vermittlung brachgefallener Bestände an neue Nutzer gehören.

„Viele hilfreiche Informationen“, „gute Gespräche“, wertvolle neue Kontakte zu Gleichgesinnten“, „Motivationsbringer“ waren einige Kommentare aus der Teilnehmerschaft nach der Veranstaltung, die den Erfolg der Tagung zeigen. Eine nächste Tagung ist für Ende 2020 / Anfang 2021 vorgesehen.


Postcode Lotterie unterstützt Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW

06. April 2018 - Im August 2017 hat das vom Umweltministerium finanzierte „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“ seine Arbeit aufgenommen. Die Projektpartner setzen sich darin gemeinsam für Schutz, Erhalt, Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen ein. Fördergelder der Deutschen Postcode Lotterie ermöglichen nun über den bisherigen Projektrahmen hinaus landesweit Pflanzungen zusätzlicher Obstbäume. Die Pflanzung der ersten Jungbäume der alten regionalen Obssorten „Rheinischer Krummstiel“, “Keulemann“ und „Johannes Böttner“ aus diesem Zusatz-Baustein "Hochstämme für nordrhein-westfälische Streuobstwiesen" ist nun auf den Flächen des Fördervereins Obstsortenvielfalt e.V. in Wassenberg erfolgt.

Zur Neupflanzung eines Johannes Böttner-Jungapfelbaumes im Obstsortengarten in Wassenberg waren heute anwesend (v.l.): Heinz Gerd Kleinjans, Kreisgeschäftsführer des RLV, Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW, Sevil Yıldırım, Projektkoordinatorin Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW, Anna Maria Alida Hoogenboom, Geschäftsführerin der Postcode Lotterie und Wolfgang Mikysek, Förderverein Obstsortenvielfalt.

Mehr dazu unter NABU NRW